Auf Urlaubsreisen passiert es oft, dass mich die Kirche in einem Dorf oder einer kleinen Stadt anzieht und ich die Klinke der Eingangstür herunterdrücke, in der Hoffnung, dort hineinzukommen. Aus Angst vor (Kunst-)Diebstählen oder Sachbeschädigungen sind heute viele Kirchen verschlossen. In der Eifel, im Schwarzwald und in der Sächsischen Schweiz habe ich noch kleine offene Kirchen und Kapellen gefunden. Fritz Kempe zeigt in seinem Buch "Von Meisterfotos lernen" (1959, S. 7 u. 9) zwei Aufnahmen der Wieskirche des Fotografen Luis Demmler und schreibt dazu:  


"Das künstlerische Gesetz der Übereinstimmung von Bildform und Bildinhalt hat auch für die Fotografie seine Gültigkeit. Es genügt nicht, eben mal den der herrlichen Wieskirche des Dominikus Zimmermann einen Besuch abzustatten, um ein paar Schüsse mit der Kamera zu tun... Wir Fotografen bilden mit dem Lichte, die Kirchenarchitekten des Barock taten dies nicht minder. (...) Ein Foto nun eines solchen Kirchenraumes, das sich mit den zufälligen Umständen einer kurzen, hastigen Anwesenheit abfindet, kann nie das Wesen einfangen. Es ist bestenfalls eine Erinnerungsstütze, darüber hinaus aber wird es kein Interesse beanspruchen können, weil in ihm nicht von der eigentlichen Schönheit, von der magischen Wirkung des Lichts spürbar wird."