Die Frage nach dem Grund, aus dem ich ein bestimmtes Foto mache (und andere nicht) ist für mich von großer Bedeutung. Ist eine Fotografie tatsächlich eine Abbildung der Wirklichkeit? Oder ist es nur meine Sicht auf die Dinge und somit eine Konstruktion der Wirklichkeit?

Dieses Foto habe ich während eines Fotospaziergangs mit Fotofreunden am 25. März 2012 in Düsseldorf gemacht. Die beiden (Amateur-)Fotografen Carina und Bernd haben monatlich solche Fotospaziergänge organisiert, bei denen es darum ging, Düsseldorfer Stadtteile zu fotografieren. Den kleinen Jungen habe ich zufällig entdeckt. Hatte er sich versteckt und wartete nun auf die, die ihn suchen sollten? Oder war er vorgelaufen und wartete nun auf seine Eltern? Ich weiß es nicht und kenne auch den Jungen nicht.

Es ist also weder ein Familienfoto noch ein Erinnerungsfoto an ein Ereignis. Warum habe den fremden Jungen fotografiert?

Wahrscheinlich habe ich im Augenblick der Aufnahme mich im Sucher gesehen und mich an meine Kindheit und die Spiele auf der Straße in der Wohnsiedlung in Krefeld-Linn erinnert. Die Szene berührte etwas in mir und ist heute ein Zeichen dafür, warum ich fotografiere.