Mit dem Handy in der Stadt

Die hier gezeigten Fotografien zeigen eine alltägliche, gleichwohl kulturhistorisch aufschlussreiche Praxis: die Nutzung des Mobiltelefons im öffentlichen Raum. Im Mittelpunkt stehen drei wiederkehrende Handlungstypen: das Telefonieren, das Schreiben oder Lesen von Nachrichten sowie die Verwendung des Geräts als Kamera. In diesen Gesten manifestiert sich ein grundlegender Wandel kommunikativer und visueller Praktiken seit Beginn des 21. Jahrhunderts.

Eine frühe Aufnahme aus dem Jahr 2013, entstanden in Duisburg-Hochfeld, zeigt eine junge Frau, die an einer Telefonzelle vorbeigeht, während darin ein Mann telefoniert. Die Koexistenz beider Kommunikationsformen – stationäres Fernsprechen im öffentlichen Gehäuse und mobiles Telefonieren im individuellen Gerät – bildet einen mediengeschichtlichen Übergang ab. Die Telefonzelle erscheint hier bereits als Relikt, das in der Alltagswirklichkeit zwar noch präsent, aber funktional marginalisiert ist.

Eine Serie von drei Fotografien aus dem Jahr 2024 in Hamburg dokumentiert eine andere Facette dieser Entwicklung: Eine junge Frau richtet ihr Smartphone aus, um ein Selfie aufzunehmen. Die zufällig vorbeigehenden Passantinnen und Passanten registrieren die Szene mit sichtbarer Aufmerksamkeit. Die Situation verweist auf eine inszenierende Dimension der Selbstdarstellung im Stadtraum, in der sich privates Bildhandeln und öffentliche Beobachtung überlagern. Das Smartphone fungiert dabei zugleich als Kamera, Spiegel und Mittel sozialer Sichtbarkeit.

Eine weitere Motivgruppe zeigt Museumsbesucherinnen und -besucher, die Gemälde mit ihren Mobiltelefonen fotografieren oder im Museum statt auf Kunst auf das Display ihres Smartphones schauen.

Die Aufnahmen sind Teil meiner Stadtfotografie. Das Mobiltelefon erscheint darin als selbstverständlicher Bestandteil urbaner Alltagspraktiken und beeinflusst die Weise, in der sich Menschen im öffentlichen Raum bewegen, kommunizieren und Bilder erzeugen. Die Fotografien entstanden zu unterschiedlichen Zeiten und an verschiedenen Orten; sie sind nicht als geschlossene Serie konzipiert, sondern als fortlaufende Beobachtungen eines wiederkehrenden Motivs.